Eine wahre Geschichte
Es war ein schicksalhaftes Gespräch damals im Frühjahr 1991 als Gerti, die frühere Eigentümerin des Kirschgarten, der damals Bella Italia hieß und seit ca. 1 Jahr geschlossen war, weil der Pächter mitsamt der Konzession eines Tages das Weite gesucht hatte, vor der Tür stand, und meinem Mann, dem frischgebackenen Rentner (58 Jahre) so spaßeshalber das Lokal zur Pacht anbot, und mein Mann den folgenschweren Satz sagte: Ich würde das nicht pachten aber kaufen!
3 Wochen später waren wir Eigentümer des Objektes und das Schicksal nahm seinen Lauf.
Ein Architekt war schnell gefunden. Die Handwerker, die bei dieser Bausubstanz auch etwas Hazardeure sein mußten, gingen ans Werk. Ein Freund riet noch zum Anbau des Gartenzimmers und innerhalb von nur 6 Monaten erfolgte die feierliche Eröffnung.
In der Zwischenzeit hatten wir schon erlebt, daß es in der Gastronomie nicht so zugeht, wie in der normalen Arbeitswelt, die wir bis dahin gekannt hatten. Unser erster “Pächter” mit bestem Namen und aus gutem Haus in Mainz, mit dem wir den Pachtvertrag per Handschlag bekräftigt hatten, ließ uns 6 Wochen vor der Eröffnung hängen. Das nächste Pächterpaar, sie Restaurantfachfrau aus Bamberg, er Küchenmeister aus Kiedrich, trennte sich 8 Tage vor der Eröffnung. Uns blieb die Pächterin, aber wir hatten noch keinen Küchenchef.
Inzwischen war der Tag vor der Eröffnung angebrochen, es lagen einige Bewerbungen vor und wir entschlossen uns, gemeinsam mit der Pächterin, die inzwischen die Konzession für das Lokal hatte, einen jungen Küchenmeister einzustellen, den wir am Abend vor der Eröffnung per Handschlag verpflichteten. Der Handschlag galt jedoch nur, bis dieser zu seiner Familie kam, die ihm klar machte, daß er sich unter Wert verkauft hatte, und dann kam der Anruf von ihm, sozusagen Pistole auf die Brust, entweder mehr zahlen oder kein Küchenmeister.
Was sollten wir tun, wir zahlten d.h. die Pächterin hätte zahlen sollen, was sie nur bedingt tat, ihre Zahlungsmoral war nicht die beste. Die Restaurantfachfrau, die keine war, wie sich später herausstellte, blieb uns ca. 3 Monate erhalten und kostete uns einiges Lehrgeld im wahrsten Sinne des Wortes. Dann waren wir sie los und machten uns ans Werk. Zunächst sagten wir, das machen wir, bis wir einen geeigneten Pächter finden, dann, wir machen das höchstens 2 Jahre,
dann 5 Jahre, dann .....
Wir hatten inzwischen den 14. Geburtstag gefeiert.
Nach all diesen Jahren freuten wir uns, die Geschicke des Restaurants in die Hände unseres bewährten Küchenchefs gelegt zu haben.
Ich kümmerte mich derweil um die 8 Gästezimmer im Haus und versuchte, unseren Gästen den Aufenthalt in Wackernheim so angenehm wie möglich zu machen.
Nun hat die Geschichte des Landgasthofs und des Restaurants eine Fortsetzung.
Ich bin wieder da, leider nur ich.
Aber ich freue mich auf die neue Herausforderung, ich freue mich auf vertraute und neue Gesichter, und ich werde wie immer mein Bestes geben.
Ihre Marianne Küsgens